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Gründer TV Nierstein - Christian Schnell

TV Nierstein anno dazumal … Teil 1
verfasst von Frank Zimmermann

Seit der Wiedergründung des Vereins nach dem 2. Weltkrieg gab es keinen Moment mehr, an dem kein Sport in unserem Verein betrieben wurde. Leider ist dies nun durch den Corona-Virus COVID-19 anders. Seit Anfang März gibt es keinen Sportbetrieb und somit auch keine Berichterstattung mehr.

Dies habe ich nun zum Anlass genommen, einfach mal aus der Geschichte der Anfangszeiten des Vereins zu berichten. Als Grundlage hierfür habe ich die Chronik des Vereins, die Festschrift zum 100. Geburtstag des Vereins sowie weitere gesammelte Werke verwendet.

In den nächsten Wochen werde ich euch mit historischen Geschichten und Bildern des Vereins versorgen. Viel Spaß damit.

Teil 1: Die ersten Jahre

1900 Um die Jahrhundertwende gab es kaum eine Stadt oder ein Dorf ohne örtlichen Turnverein. Das Wort Turnen stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "wenden". Turnvater Friedrich Ludwig Jahn benutzte den Begriff des Turnens für die von ihm geschaffene Art der Leibeserziehung. Das Turnen sollte den Körper und den Charakter bilden.

1901 Leider ist über den Beginn des Turnens in Nierstein nicht mehr viel bekannt. Viele Unterlagen sind im Laufe der Zeit verloren gegangen. In der lokalen Presse der Niersteiner Warte wurde am 8. Januar erstmalig von der bevorstehenden Gründung geschrieben.  

Am 14. Januar 1901 war es dann soweit. Um 16 Uhr traf sich die Generalversammlung in der Gaststätte „Zum Anker“ zur Gründung des Turnvereins durch Christian Schnell (Titelbild). Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm Dr. med. Ludwig Heid – Ortsarzt der Gemeinde. Zweiter Vorsitzender wurde Lehrer Heinrich Köhler, Verwalter Christian Schnell. Zur Gründung des Vereins soll der Verein bereits 177 Mitglieder gezählt haben. In der Anfangsphase fand das Turnen im Freien und in der Gemeindeschulturnhalle statt.

1905 Die Turnhalle wurde zu Unterrichtszwecken umgebaut, so dass der Turnbetrieb auch im Winter abgehalten werden musste.

1908 Im Juli des Jahres fand das 11. Deutsche Turnfest in Frankfurt am Main statt. Aus dieser Zeit stammt die Postkarte (Bild 1).

1910 Die Turner präsentierten ihr Können. Die sogenannten Turnpyramiden wurden sogar auf Postkarten veröffentlicht (siehe Bild 2). Bereits Jahre zuvor (um 1902) hatte man im Schulhof Schauturnen abgehalten, bei dem sehr viele Zuschauer zu begrüßen waren.

1911 Teilnahme beim Turnfest in Dienheim. Auf dem Foto (Bild 3) sind neben dem 1. Vorsitzenden Dr. Reuter folgende Sportler abgebildet. Stehend: L. Hirsch, A. Markard, H. Braun, G. Strub, F. Kaiser, E. Sekatz, G. Zeiss, A. März. Kniend: Lehrbach, J. Seip. Liegend: J. und W. Schnell. FRITZ Kaiser war nach 1920 erfolgreicher Turner und Turnwart.

1912 Vom 20. bis 22. Juli wurde die Vereinsfahne in der Lagerhalle der Mälzerei feierlich geweiht. Es muss ein berauschendes Fest gewesen sein. Die Niersteiner Bürger hatten ihre Häuser festlich geschmückt. Auf dem Marktplatz wurden mehrere Karussells und Buden aufgestellt. Die offizielle Festpostkarte (Bild 4) wurde später auch für die Festschrift zum 100-jährigem Bestehend des Vereines verwendet. Das weitere Foto der Fahnenweihe (Bild 5) zeigt sitzend in Zivil die Herren Schubert, Hasselbach, Bauer, Bürgermeister Reichardt, Dr. Reuter, Lehrer Wehner, Hahn, Schell. Auch die Frauen waren stark vertreten. Das Foto (Bild 6) zeigt die Ehrendamen bei der Fahnenweihe.

Die Fahne selbst war auf den beiden Seiten unterschiedlich gestaltet. Eine Seite zeigte einen strammen Turner, der einen Eichenkranz schützend über Nierstein legte. Um die gesamte Seite zog sich eine Traubenranke, die wohl als Symbol für die Gemeinde gelten sollte. Die andere Seite zeigte das Gründungsjahr des Vereins 1901 und das Jahr der Fahnenweihe 1912, welche umgeben waren von Turner- und Gemeindewappen.

1914 Der 1. Weltkrieg bricht aus. Der Turnbetrieb musste vollständig eingestellt werden.

1919 Der Turnbetrieb wurde wieder aufgenommen. Die Tanzsäle der hiesigen Wirtshäuser diente im Winter als Sportstätten. Alle Versuche, eine Turnhalle zu bauen, scheiterte an der Geldentwertung. Und, man kann es kaum glauben, bereits damals fehlte auch ein geeignetes Gelände. Eine Situation, die auch noch 100 Jahre später genauso aktuell ist.

1924 Fritz Bittinger rettete die Vereinsfahne (Bild 7) vor dem Zugriff der Franzosen, die die damalige Besatzungsmacht stellten. Leider ging sie dann in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren. Das Foto (Bild 8) zeigt den TV Nierstein auf dem Gauturnfest im selben Jahr.

1926 Das erste große Jubiläum, das 25-jährige Stiftungsfest, wurde mit turnerischen Darbietungen und einer sehr großen Beteiligung der Bevölkerung gefeiert. Das Foto (Bild 9) zeigt die „Festdamen und Kinder des Turnvereins“.

1929 Am 28. November erfolgte die Gründung der Handballabteilung. Leider löste die sich 1932 aber wieder auf. Das Foto (Bild 10) zeigt die Mannschaft aus dieser Zeit. Es sollte weitere 14 Jahre benötigen, bevor die erneute Gründung der Abteilung erfolgte.

Der zweite Teil knüpft nahtlos an und wird in Kürze erscheinen.



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Frank Zimmermann
Öffentlichkeitsarbeit
2. Vorsitzender

Bild 1 Turnfest Frankfurt 1908

Bild 2 Turnpyramide 1910

Bild 3 Turnfest 1911 in Dienheim

Bild 4 Fahnenweihe 1912 Postkarte

Bild 5 Fahnenweihe 1912

Bild 6 Ehrendamen 1912

Bild 7 Fahnenrettung 1924

Bild 8 Gauturnfest 1924

Bild 9 Festdamen und Kinder 1926

Bild 10 Handballballmannschaft 1929 - 1932